Wittener Kijupa thematisiert Sprachprobleme von Flüchtlingen

aus WAZ 4.12.14 von Annette Kreikenbohm

In der Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments berichteten Mitglieder von ihren Erfahrungen mit dem Sprachproblem von Flüchtlingen an Schulen.
Alle Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments (Kijupa) sind Schüler. Wer also könnte besser etwas über die Situation von Flüchtlingskindern und ihre Sprachprobleme in der Schule erzählen als sie? Viele meldeten sich bei der 32. Sitzung am Mittwochvormittag, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Vorausgegangen war die Frage des Jugenddezernenten Frank Schweppe, der von den Mädchen und Jungen wissen wollte: „Wie werden sprachlose Kinder bei euch in den Schulen sichtbar? Wir versuchen gerade, denen zu helfen und brauchen dafür euren Rat und eure Einschätzung.“
„Die bleiben untereinander“
Die 14-jährige Laura von der Holzkamp-Gesamtschule schilderte eindrucksvoll die Situation eines Mädchens aus dem Iran: „Sie ist 15 und wiederholt jetzt noch mal die achte Klasse. Sie kann aber weder Deutsch noch Englisch.“ Es sei unheimlich schwer, mit ihr klarzukommen. „Sie wird nicht direkt ausgegrenzt, ist aber relativ allein mit sich.“ Anders ein Mädchen aus Polen, die ebenfalls eine Wittener Schule besucht und schon viel Deutsch spricht, weil sie individuell gefördert wird: „Sie wird drei- bis viermal in der Woche aus dem Unterricht rausgenommen, um Deutsch lernen zu können“, erzählt ihr Mitschüler. Viele neue Kriegsflüchtlinge gebe es an der Overbergschule, berichtet ein Mädchen. „Aber die wollen sich nicht anpassen, die bleiben untereinander und reden in ihrer Muttersprache.“
Auch Ideen und Anregungen, wie die Situation verbessert werden könnte, erbat Schweppe von den Jugendlichen. Man müsse den Betroffenen vor allem Spaß an der Kommunikation vermitteln, sagte Okan. „Denn nur so haben sie eine Chance, Freunde zu finden“. Er sei selbst Ausländer und habe anfangs Schwierigkeiten gehabt, Fuß zu fassen, erzählte der 19-Jährige, der das Berufskolleg besucht.
„Von alleine lernen viele das nicht“
Es mache keinen Sinn, während des normalen Deutschunterrichts die Sprache beibringen zu wollen, sagte ein Junge. „Denn ab der sechsten Klasse lernt man da nur noch, Analysen zu schreiben.“ Er regte an, die Flüchtlinge quasi dazu zu „verdonnern“, intensiv im Nachmittagsbereich zum Deutschunterricht zu gehen. „Von alleine lernen viele das schließlich nicht.“ Man müsse den Willen dazu entwickeln, denn nur durch die Sprache sei Integration möglich, ergänzte Alex.
Nicht nur einen Vorschlag, sondern schon ganz praktische Ansätze präsentierte der 15-jährige Benedict vom Ruhr-Gymnasium: „Wir als Jugendliche sind in der Pflicht, solche Angebote zu vermitteln. Deshalb wollen wir an unserer Schule eine AG starten, die diese Aufgabe übernehmen könnte.“ Immerhin würden demnächst sämtliche Hilfsangebote im Internet aufgelistet, erklärte Bürgermeisterin Sonja Leidemann, denn die Stadt sei dabei, eine „Willkommenskultur“ zu erarbeiten. Anbieten wolle man etwa Sprachkurse in den Ferien. An die Mitglieder des Kijupa appellierte sie, „mit kleinen Gesten zu zeigen, dass es sich lohnt, Freundschaften und Vertrauen aufzubauen“.

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